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Christina Henry – Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland

Alice im Wunderland ist nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher. Und seit meiner Jugendzeit war ich der Meinung: Es ist kein Kinderbuch. Es ist vielmehr eine Geschichte für Erwachsene. Es ist gespickt mit Metaphern, Gleichnissen und Vergleichen. Und genau dort setzt Christina Henry an. Untergekommen sind mir die Chroniken von Alice auf Instagram. Plötzlich erschien das Buch auf so manchem SUB und schließlich sah ich es in einer Story von einer mir geschätzten Instagrammerin. Und so fing ich an zu lesen.

Finster, stark und unheimlich

Alice kam zurück und statt mit Friede, Freude und Eierkuchen ist ihr Leben mit Tabletten, weißen Wänden und einer Irrenanstalt voll. Denn Alice kam zwar zurück, war aber nie mehr dieselbe. Das Kaninchen hatte ihr etwas angetan und sie ihm. Neben ihrer Zelle ist Hatch, der Schlächter. Es entsteht eine Freundschaft durch ein Mauseloch. Hatch fühlt den Jabberwock, die Verkörperung allen Übels. Und Alice spürt Aufruhr in sich selbst. Als ein Feuer ausbricht können Alice und Hatch fliehen. In die Welt, die geprägt ist von Bossen. In die alte Stadt, wo an jeder Ecke Grausamkeit in der Dunkelheit wartet. Hatch fehlt die Erinnerung an konkretes, er erinnert sich an ein Gefühl und auch Alice spürt in ihrem Inneren etwas brodeln.

Christina Henry erzählt Alice im Wunderland anders, brutaler und ohne viel Chichi. Sie greift die Metaphern aus der ursprünglichen Geschichte auf und erzählt sie anders. Nicht neu, aber anders. Die Welt im Kaninchenloch ist in ihrem Wunderland bei weitem nicht so niedlich wie gedacht. Es geht um Angst, Brutalität und Zauberei. Immer noch ein Märchen, aber eines für Erwachsene.

Starke Figuren

Was diese Reihe besonders macht sind die Figuren. Starke, fein gezeichnete Figuren die allesamt bekannt vorkommen. Da ist Alice, eine der Hauptfiguren. Eine starke, aber unterdrückte junge Frau. Traumatisiert und auf dem Wege dieses Trauma aufzuarbeiten. Sie findet ihre Stärke in sich selbst, im Buch ist sie schlussendlich eine Zauberin. Für mich eindeutig die Metapher für Stärke.

Da ist Hatch, die zweite Hauptfigur. Ein Mann der einst eine Familie hatte und diese wurde ihm genommen. Er hat einen Job gemacht und dabei keine Empathie gezeigt. Auch er ist traumatisiert. Auch er findet zu sich zurück und beginnt sodann an sich zu arbeiten. Er hat eine Verbindung zum Jabberwock, er kann ihn fühlen.

Der Jabberwock, bis zum letzten Teil des Buches ein schattenhaftes Monster. Die Verkörperung allen Übels. Die Verbindung zu Hatch erschliesst sich erst spät, ich glaube der Jabberwock ist das Böse in Hatch selbst und dieser wiederum kämpft dagegen an.

Am Rande altbekannte Figuren: Der Hutmacher, das Kaninchen. Immer wieder Parallelen zu Alice im Wunderland. Immer wieder Hinweise und Erinnerungen.

Lesenswert, weil es anders ist

Ich kann die Chroniken von Alice nur empfehlen. Es ist lesenswert weil es anders ist und weil es mutig ist. Nichts ist rosarot und beim lesen habe ich angefangen mitzufiebern, mitzufühlen und auch einige Dinge aus der ursprünglichen Geschichte in einem anderen Licht zu sehen. Denn es stimmt wohl:

We are all mad in here.

 

Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland: Roman (Die Dunklen Chroniken, Band 1)
Christina Henry

Über den Autor

Die Stehauffrau bloggt über das Leben nach toxischen Beziehungen, die schönen Dinge des Lebens und den Weg dorthin. Stehauffrau steht für eine Frau die den Weg vom Opfer zur selbstbestimmten Frau gegangen ist.

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