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The Handmaid´s Tale – Der Report der Magd

In grauer Vorzeit habe ich einen Klassiker gelesen: Der Report der Magd von Margaret Atwood. Damals, in jungen Jahren, war der Stoff für mich fernab von gut und böse, Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Dann entdeckte ich die Serie The Handmaid´s Tale, eine MGM Produktion auf Prime. Zunächst skeptisch packte ich die Serie auf meine Watchlist, dank Corona habe ich sie nun gesehen und muss sagen: Das hätte ich eher machen sollen!

Staffel eins ist das Buch

Staffel eins hält sich zum größtenteil ans Buch. Der totalitäre Staat Gilead ist aufgrund von Umwelt- und Atomkatastrophen, der massiven Verbreitung von Geschlechtskrankheiten und der massiven Abnahme von Fruchtbarkeit entstanden. Basierend auf einer verzerrten Auslegung der Bibel formt sich ein rein männlicher Staat mit starren Kasten und Normen. Die Serie zeigt den schleichenden Beginn eben jenes Staates den ich vor Jahren noch für unmöglich in der heutigen Zeit hielt. Langsam, aber zielsicher haben sich zunächst wenige immer mehr Macht gesichert. Und dann beginnt es unterschwellig: Die völlige Unterwerfung und Entwertung der Frau.

Es gibt die Ehefrauen, jene Frauen deren Männer ein Amt im Staat bekleiden. Sie sind meist unfruchtbar und manch eine ist darüber nicht unglücklich. Es gibt die Marthas, jene Frauen die nicht (mehr) fruchtbar sind und als Haushälterinnen fungieren. Dann gibt es die Tanten, Frauen die als Hardliner auftreten und die Mägde ausbilden. Die Mägde sind jene Frauen die fruchtbar sind, jene Frauen die in den Besitz des Mannes übergehen. Treten Sie in einen Haushalt ein haben sie keinen Vor- und Nachnamen mehr, sie heissen dann „Des“ in Kombination mit dem Namen des Mannes, z.B. DesFred. Während den Männern die Politik obliegt und sie versuchen Gilead als Staat zu etablieren, verweilen die Ehefrauen zuhause und gehen den eher müßigen Dingen des Lebens nach. Marthas und Mägde führen den Haushalt. Doch der biblische Staat hat einige dunkle Ecken. Den Mägden wurden die Familien entrissen, ihre Kinder, ihre Partner, ihre Verwandtschaft. Sie tragen rot als Zeichen der Fruchtbarkeit.

Desfred landet nach harter Ausbildung durch Tante Lydia im Haushalt der Waterfords. Fred Waterford, ein sogenannter Kommandeur, ist politisch aktiv und scheint seinen Platz in der neuen Welt gefunden zu haben. Seine Frau, Serena Waterford, ist herrisch und scheint mit ihrem Platz in dieser neuen Welt noch zu kämpfen. Die Unterordnung der Magd ist nicht zu übersehen und auch der innige Wunsch nach einem Kind. Denn dieses Glück ist Serena nicht vergönnt. In Staffel 1 verfolgt der Zuschauer den Weg DesFreds in diese neue, nur scheinbar bessere Welt.

Staffel zwei und drei sind frei vom ursprünglichen Buch, wurden aber mit der Autorin Margaret Atwood erarbeitet. Diese hat 2019 sodann auch ein Buch mit dem Titel „Die Zeuginnen“ veröffentlicht. Es hält sich an Staffel zwei und drei. Aber zurück zur Serie.

Auflehnen gegen die Unterdrückung

DesFred hat ein Ziel: Ihre Tochter wiederfinden und fliehen. Auf dem Weg zu diesem Ziel lernt sie einige Menschen kennen die sich alsbald als Weggefährten entpuppen. Da ist Rita, die Martha des Hauses Waterford, die ebenso wie DesFred ausbrechen möchte, sich aber an die Regeln hält. Da ist Nick, der Chauffeur von Mister Waterford, der als Auge arbeitet. Im Prinzip spioniert er für den Geheimdienst des Staates. Nick trägt ein Geheimnis in sich, das spoiler ich allerdings nicht. Emily und Janine, beide Mägde, beide unfassbar mutig und beide für eben jenen Mut drakonisch bestraft.

Und so fiebert man mit und bangt mit. Man leidet mit und man fühlt mit. Man ist mal wütend, mal geschockt und mal sprachlos. Obgleich die Serie so viele schwierige Themen bearbeitet, ist sie spannend, packend und vor allem manchmal hart. Es geht um Femizid, Feminismus, Homophobie, Versklavung, Totalitäre Regime, Religionsfanatismus, aber auch um Liebe, Verrat und Freundschaft.

Schwerer Stoff so real

Gilead ist fiktiv und dennoch so unglaublich greifbar. Teile eben jenes utopischen Staates erkenne ich in unserer Gesellschaft wieder, sei es auf der Welt oder in Europa. Im Prinzip hat Margaret Atwood schon mit ihrem ersten Buch die Probleme unserer Zeit zusammengesucht und daraus eine Utopie geschaffen. Beim schauen der Serie verliert sich der Abstand zu „Das ist ja nur Fiktion“ relativ schnell. Denn irgendetwas von dem was da gezeigt wird hat man schon selbst erlebt oder aber in der heutigen Gesellschaft gesehen. Das ist erschreckend.

Ja, die Serie ist ein harter Brocken. Aber sie ist wirklich gut, ich habe alle Staffeln hintereinander weggeguckt und bin gespannt auf Staffel vier. Für die Zwischenzeit habe ich mir das Buch „Die Zeuginnen“ von Margaret Atwood auf die Leseliste gepackt.

The Handmaid´s Tale verfügbar auf Amazon Prime, Staffel 1 und Staffel 2 sind in Prime enthalten. Staffel 3 muss entweder gekauft werden oder durch Zubuchung des MGM Channels freigeschaltet werden. Kleiner Tipp: Für den MGM Channel gibt es eine 30 Tage Testphase ohne Kosten, die hat für mich gereicht um Staffel 3 komplett zu schauen 🙂

 

Über den Autor

Die Stehauffrau bloggt über das Leben nach toxischen Beziehungen, die schönen Dinge des Lebens und den Weg dorthin. Stehauffrau steht für eine Frau die den Weg vom Opfer zur selbstbestimmten Frau gegangen ist.

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