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You – Du wirst mich lieben

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Netflix hat eine Serie nach Buchvorlage produziert und alle Welt spricht darüber. „You – Du wirst mich lieben“. 10 Folgen voll mit Triggern. Deshalb an dieser Stelle:

** Triggerwarnung ** 

Neulich pingte meine Netflix App mich an: „Wir haben etwas Neues für Dich“. Okay, mal schauen was das sein könnte. Eine zehnteilige Serie: You – Du wirst mich lieben. Also mal schnell den Trailer schauen und nach knapp einer Minute kein Stück schlauer. Was ist denn das nun wieder? Thriller? Horror? Drama? Love? Was?! Ich habe das Buch nicht gelesen, also liess ich mich drauf ein. Für alle die zumindest teilweise Erfahrungen mit Stalking, Psychischer oder physischer Gewalt gemacht haben und generell toxischen Beziehungen: Ihr findet euch wieder. Wer noch nicht so weit ist und nicht genug oder gar keinen Abstand zum Erlebten hat: Finger weg.

You – Kurz und bündig

Da ist Joe, Buchhändler, smarter, junger Mann. Da ist Beck, Studentin, hübsch aber unsicher. Sie treffen sich und Joe entscheidet: Du Beck, du wirst mich lieben. Er stalkt sie bis ins letzte Detail. Keine schwere Aufgabe: Beck ist in den sozialen Medien sehr aktiv und sie kennt offensichtlich weder Vorhänge noch die Gefahr in einer Großstadt betrunken, nachts allein nach Hause zu tingeln. Er schafft es, wenn auch mit einigen Unwegbarkeiten. Viele andere Männer hätten vielleicht auf Austausch der Nummern, zaghaftes Fragen nach einem Date oder die klassischen Blumen gesetzt. Joe setzt auf Mord, Einbruch und Stalking. Funktioniert auch, nur eben nicht langfristig. Das Ende ist kalkulierbar, die einzelnen Folgen ziehen sich manchmal wie Kaugummi. Letztlich nimmt der Schrecken eben kein Ende, obwohl genau genommen schon, aber nur für eine Person. Zum Einstieg hier der Trailer:

Ein psychopatischer Narzisst als Traummann

In jeder der verdammten 10 Folgen hatte ich mindestens einen Moment in dem ich dachte „Ja, das kennst du auch“. Und das lag sicherlich nicht an Becks Naivität was die sozialen Medien angeht. Aber hier treffen zwei Extreme aufeinander:

Joe. Ein Mann dessen Kindheit mit Verlust, Zwang und vor allem emotionaler Kälte geprägt war. Keine Entschuldigung, sondern die Basis für seine spätere Psyche: Kalt, kalkulierend und absolut Ich-Bezogen. Er zeigt im Prinzip alle Anzeichen eines Narzissten, wenn auch manchmal sehr zwischen den Zeilen.

Beck. Eine Frau deren Kindheit ebenfalls mit Verlust und dem Gefühl des „Nichtgenügens“ geprägt war. Eigentlich weiss sie nicht so recht wer sie ist und auch nicht was sie möchte. Und genau das macht sie zum perfekten Opfer.

Ihr größter Fehler: Extreme Aktivität in den sozialen Medien, Facebook, Instagram und keine Sicherung am Handy. Sie lässt sich buchstäblich blenden von Joe, der sie besser kennt als sie selbst. Sie wird nicht stutzig bei den vielen Zufällen, sein plötzliches Auftauchen und sein manchmal komisches Verhalten. Keine Spur von Misstrauen. Und als es dann kommt ist es zu spät. Was aber wirklich erschreckend ist: Die Serie zeigt sehr gut wie eine toxische Beziehung überhaupt entsteht und was da passiert. Joe isoliert Beck zunehmend und wenn sie Kontakte hat, dann hat er seine Augen und Ohren genau dort. Natürlich wird er enttäuscht: Sie betrügt ihn. Eigentlich nicht verwunderlich. Er nimmt sie total ein, bietet ihr jede erdenkliche Hilfe und lässt sie nicht atmen. Und genau in dem Moment, in dem sie offen ist für jemanden der sie mehr versteht, der ihre Gefühle versteht, greift sie zu. Denn das ist etwas, was Joe schlichtweg nicht kann: sich hineinversetzen in andere, ein Gespür für die Gefühlslage des anderen haben.

Er ist gewalttätig. Auch wenn er in seinen manchmal endlosen Monologen beteuert es zu bereuen. Letztlich bricht die Wut immer dann aus ihm heraus, wenn er das Gefühl hat zu verlieren. Auch hier zeigt sich die emotionale Kälte: Jemanden töten? Kein Problem. Die Leiche entsorgen? Da stört ihn tatsächlich der Dreck. Er stalkt mit einer Präzision die fast schon in einen Horrofilm passt. Er lügt ohne mit der Wimper zu zucken. Er manipuliert ohne manipulativ zu wirken. Und bei all dem geht es nur um eines: der totale Besitz des anderen Menschen.

You – Du wirst mich lieben – Topp oder Flop?

Als Serienjunkie würde ich hier höchstens einen Mitteldaumen geben. Als jemand der selbst in einer toxischen Beziehung feststeckte würde ich sagen: Schaut es euch an, zeigt es euren Freunden damit sie verstehen was da eigentlich läuft. Neben den beiden Hauptcharakteren sind auch die Nebenrollen interessant. Eine Narzisstin als beste Freundin, die schließlich nur das Beste für Beck möchte und sie eigentlich nur braucht um sich selbst besser zu fühlen. Eine gemobbte, unsichere Frau die aus ihrer Schwäche Kapital zieht. Und dann ist da noch der Angestellte der mit emotionaler Intelligenz gesegnet ist und auf der Suche nach dem Sinn des Seins ist.

Im Prinzip findet sich in der ganzen Serie jede psychische Störung, Traumabelastung und potentielle Gefahr wieder. Eigentlich eine gute Mischung die aber leider stellenweise zu dröge gestaltet wurde. Es soll eine zweite Staffel geben auf die ich schon gespannt bin.

Habt ihr das Buch gelesen? Wie findet ihr die Serie?

 

 

 

Über den Autor

Die Stehauffrau bloggt über das Leben nach toxischen Beziehungen, die schönen Dinge des Lebens und den Weg dorthin. Stehauffrau steht für eine Frau die den Weg vom Opfer zur selbstbestimmten Frau gegangen ist.

(2) Kommentare

  1. […] mich lieben“ hat Netflix letztes Jahr eine mutige Serie gemacht. Meine Sicht dazu hier: You – Du wirst mich lieben. Nun ist Staffel 2 an den Start gegangen. Das Thema: Immer noch Joe, immer noch ein kranker Mensch. […]

  2. […] You – Du wirst mich lieben – Dazu hatte ich hier was geschrieben: You – Du wirst mich lieben […]

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