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AktenEinsicht – Christina Clemm

AktenEinsicht – ein zweideutiger Titel für dieses Buch. Es ist einerseits eine Einsicht in die Arbeitsweise der Justiz und der Polizei bei Fällen von Gewalt gegen Frauen. Andererseits ist es ein Einblick in Lebensausschnitte von Frauen die Gewalt erlebt haben. So lässt es sich wohl auf den Punkt bringen. Und dennoch ist AktenEinsicht viel mehr als nur diese zwei Seiten.

Ein Blick in das Leben anderer

Christina Clemm ist Strafverteidigerin und Nebenklagevertreterin von Opfern sexualisierter und rassistisch motivierter Gewalt in Berlin. Sie gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Gerichte und der Polizei und verzichtet dabei auf das bekannte Juristendeutsch. Und so entsteht eine Mischung aus acht Biographien die dem Leser einen kleinen Blick in das Leben von starken Frauen erlauben. Mit Anmerkungen zu Verfahrensweisen in Prozessen und bei der Polizeiarbeit die erklärend und faktenbasiert auch das „danach“ der Tat erfassen. Die Autorin hat eine gute Mischung gefunden die Polizeiarbeit und die Gerichtsverfahren anschaulich und dennoch verständlich darzustellen. Gerade das macht das Buch lesenswert.

8 Frauen, 8 Gewalterfahrungen. Es sind harte Fälle und alle haben ein Gesicht. Jedes Kapitel trägt das Erlebte einer Frau in sich. Verewigt, auch auf Papier. Die Erlebnisse sind drastisch, kaum zu ertragen. Aber Christina Clemm macht sie greifbar ohne dabei reißerisch zu schreiben, das muss sie auch nicht gar nicht, der Stoff ist Realität. Aber es sind auch 8 Frauen die Stärke bewiesen haben, Mut und Kraft. Alle haben ihr Leben zurückerobert. Haben gekämpft und gewonnen – sich selbst.

Trigger aber auch Mut

Bei einigen Fällen lief es mir kalt den Rücken runter, denn einiges habe ich selbst erleben müssen. Ich wünschte es gäbe nicht so viele Frauen da draußen die dasselbe erlebt haben. Aber zwischen den Zeilen findet sich eine Prise Mut und Stärke, bei manchen Fällen steckt sie regelrecht an. Man fiebert mit und beim Ende hätte ich applaudieren können. Die Autorin zeigt auch einen wichtigen Punkt auf: Das Erlebte ist nicht in dem Moment vorbei in dem man davor fliehen kann. Es ist erst vorbei wenn das Urteil gesprochen ist. Und bis dahin ist es ständig präsent, mal mehr, mal weniger.

Und doch finde ich dass der Mut überwiegt. Jede der 8 Frauen hat es geschafft.

AktenEinsicht ist lesenswert, weil es Mut macht, weil es ungeschönte Einblicke gewährt und weil es den nackten Zahlen der Statistiken Gesichter gibt.

AktenEinsicht: Geschichten von Frauen und Gewalt
Christina Klemm
ISBN 978-3956143571
Verlag Antje Kunstmann GmbH

Über den Autor

Die Stehauffrau bloggt über das Leben nach toxischen Beziehungen, die schönen Dinge des Lebens und den Weg dorthin. Stehauffrau steht für eine Frau die den Weg vom Opfer zur selbstbestimmten Frau gegangen ist.

(1) Kommentar

  1. BINE sagt:

    Das Buch habe ich auch schon einige Monate, mich aber noch nicht getraut, es zu lesen.

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